Tipps zum Überspielen von Schmalfilm auf Video
(Ein Erfahrungsbericht von Hans-Dieter Graf)
Vorbemerkungen
Die Erfahrung zeigt, dass sog. „professionelle Überspielungen" bei Firmen erhebliche Mängel aufweisen und zudem zu teuer sind. Diese Anleitung kann helfen, eine gute Videokopie eines Schmalfilmes herzustellen, die nicht „pumpt", farbecht ist, keine Bildränder verschluckt, scharf ist, den O-Ton sauber kopiert und – außer Zeit und Geduld – nichts kostet.
Vorbereitung des Arbeitsplatzes
Der Raum sollte verdunkelbar sein (kein Tageslicht!), da wir mit Kunstlicht arbeiten.
Der Raum sollte abschließbar sein, da die einmal gefundene Geräteanordnung nicht verrückt werden darf.
Für den Filmprojektor brauchen wir einen stabilen Tisch, für die Vidoekamera ein schweres, stabiles Stativ. Beide Geräteobjektive müssen auf gleicher Höhe eingerichtet werden.
Als Leinwand verwenden wir eine weiße, matte Pappe (Fotokarton ohne Glanz), die mit Reißzwecken an der Wand befestigt wird. (Keine Perlleinwand verwenden, da ihr Korn auf der Kopie sichtbar sein würde.)
Über diese „Leinwand" befestigen wir provisorisch ein weißes Papier, auf dem wir später die Markierungen für das Projektionsbild aufzeichnen. (Mehr dazu siehe weiter unten)
Nun müssen wir noch ausprobieren, wie wir den O-Ton vom Projektor auf unser Video bekommen. Hat der Projektor eine Audio-out Buchse, versuchen wir den Ton direkt in die Kamera per Audio-in Buchse einzuspeisen. Hat der Projektor nur Lautsprecher-Buchsen, versuchen wir das gleiche mit einem Adapter Lautsprecherbuchse auf Chinch o.ä. Sollte beides nicht funktionieren, schließen wir am Projektor 1 oder 2 Außenlautsprecher an, stellen diese abseits in eine mit Kissen ausgepolsterte Kiste, legen das externe Kameramikrofon dazwischen und versuchen so, den Ton ohne störendes Projektorrasseln aufzunehmen.

Vorbereitungen zum Überspielen
Um ein möglichst helles Filmbild zu haben, müssen wir mit dem Projektor so nah wie möglich an die Leinwand. Wir projizieren also einen Film und fahren mit samt dem Tisch so lang nach vorn, wie sich die Bildschärfe noch nachziehen lässt. Dabei ist das Projektorbild auf „Großformat" eingestellt.
Nachdem der Minimalabstand gefunden ist, stellen wir das Objektiv auf kleines Bildformat (größere Lichtstärke).
Auf einem über die Leinwand provisorisch geheftetes Papier umfahren wir mit schwarzem Filzschreiber das Projektionsbild. Etwa 1 cm weiter innen zeichnen wir mit rotem Filzschreiber einen zweiten, kleineren „Bildrahmen". Darüber setzen wir eine Art Fadenkreuz, genau in der horizontalen und vertikalen Mittelachse des Bildrahmens (siehe Zeichnung).
Nun richten wir die Videokamera ein. Wenn wir die Kamera möglichst nahe an die Leinwand gerückt haben, ohne in den Lichtkegel zu geraten, schalten wir den Projektor aus.
Wir fahren mit der Kamera in den Telebereich und stellen das Fadenkreuz scharf. (Autofocos ausschalten)
Nun fahren wir soweit zurück in den Weitwinkelbereicht, bis der schwarze Bildrahmen auf dem Deckpapier im Sucher bzw. auf dem Monitor gerade verschwindet, der rote Bilderrahmen aber gerade noch zu sehen ist. Sicherheitshalber sollten wir eine Probeaufnahme machen und dies dann am TV-Gerät abspielen. Es darf dann nur der rote Rahmen sichtbar sein. Bitte aufpassen, dass beim Herausnehmen oder Einlegen der Kassette die Kamera nicht verrückt wird!
Weißabgleich: Projektor ohne Film einschalten, Weißabgleich an der Kamera durchführen. (Kein Tageslicht im Raum!)
Die Belichtungsautomatik kann eingeschaltet bleiben, außer wenn der Film sehr starke Hell-Dunkel-Wechsel aufweist.
Das provisorische Papier mit den Rahmen wird nun entfernt und das Abfilmen kann beginnen.
Wer eine ganz hochwertige Kamera besitzt, kann nun noch verschiedene Einstellungen ausprobieren, etwa das „Pumpen" des Bildes durch eine Verschlusszeitänderung der Videokamera auf 1/50 vermindern, Helligkeit nachstellen oder Farbausgleich vornehmen.
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